Kustria

von Ingo Tschinke

Der Westens Gloranthas wurde in den RuneQuest Publikationen aus dem Hause Avalon Hill zumeist nur sehr wenig beachtet und nur in der Box 'Glorantha - Crucible of the Hero Wars' oberflächlich beschrieben. Diese Beschreibungen reichen meist kaum aus, um dort, ohne viel Vorbereitung, ein Abenteuer oder gar eine RuneQuest-Kampagne zu spielen. 'Tales of the Reaching Moon 'hat bereits mit seiner Ausgabe # 13 - 'Go West'- einen Grundstein zur weiteren Aufklärung über den Westen gelegt, der mit dem vorhergehenden FreeForm 'How the West was One' seinen Anfang nahm. In Deutschland wurden durch das FreeForm `Rise ofRalios' noch mehr Informationen nachgeschoben, die in dem Begleitbuch 'The World Greatest Tournament' publiziert wurden. Doch trotz alle dem reichen diese Informationen nur sehr wenig, um eine Kampagne im Westen anzusiedeln. Zu der Kustria-Beschreibung sei allerdings noch angemerkt, das diese für das Jahr 1617 S Zgilt und sich bis zu dem Jahre 1627 S. Z. (das Jahr in dem das FreeForm `Rise of Ralios' spielt) noch einiges verändern wird.

Beschreibung
Das Königreich Kustria ist einer der wichtigsten Staaten am nordöstlichen Ende des Safelstersees im Zentrum von Ralios. Das Königreich ist hinter Sentanos der größte Stadtstaat der Safelsterregion. Kustria hat eine Ausdehnung von etwa 7.800 qkm und teilt sich in jeweils drei Grafschaften und Baronien auf. Bei den Grafschaften handelt es sich um Kuret, Foret und Glanville und bei den Baronien um Rumieges, Beulan und Doix. Kustria hat nur drei Städte von nennenswerter Größe, wobei die Hauptstadt Kustria mit seinen 20.000 Einwohnern bei weitem die Größte dieser Städte ist. Bei den anderen beiden Städten handelt es um Toral am Tanierfluss mit 2.000 Einwohnern und Griedau mit 1.400 Einwohnern im Landesinneren von Kustria.
Die gleichnamige Hauptstadt Kustrias ist das Handleszentrum und der Regierungssitz des Königreiches. Die Stadt Kustria liegt günstig am Safelstersee und hat einen weitläufig ausgebauten Hafen mit großen Kaianlagen und Handelskontoren. Beherrscht wird das Bild der Hauptstadt allerdings von zwei riesigen Gebäuden. Im Zentrum der Stadt ragt der Turm von Xud 1.300 m hoch in den Himmel (siehe das Titelbild, welches den Turm zeigt), schon allein seine Grundfläche beansprucht ein Viertel der gesamten Stadtanlage für sich allein. Aufgrund der Beschaffenheit der Welt Glorantha (sie ist flach) kann man von der Spitze des Turmes bis weit hinaus in Lunare Imperium und sogar, bei guten Wetter, bis nach Prax blicken. Der Turm von Xud ist ein Überbleibsel von Arkats Dunklem Imperium. Das zweite Gebäude ist die Turnierarena welche von Vikard vom Turnier während der seschnelischen Besetzung errichtet wurde. Dies Arena findet im ganzen Westen nicht seines gleichen und bedeckt im Norden der Stadt ein 4 qkm große Fläche.
Die Gesamtbevölkerung von Kustria beläuft sich auf 70.000 Einwohner, wobei 2/3 dieser Einwohner als Angehörige der Bauernkaste ausschließlich kleinere Dörfer auf dem Lande bewohnen. Kustria ist ein Ort des Reichtums, dies liegt zumeist an dem fruchtbaren Land und dem ausgeprägten Handel welcher in Kustria getrieben wird. Durch den stabilen Frieden, welcher in Kustria schon seit langem herrscht, gedeiht beides besonders gut.
Da Kustria in den letzten Jahrhunderten aufgrund seiner relativ friedlichen und auf Verteidigung eingestellten Position im Gegensatz zu vielen anderen Staaten am Safelstersee nur sehr geringfügig in innere Streitigkeiten gestürzt und Kriege mit anderen Staaten verwickelt wurde, sind die Handelskontore in der Hauptstadt die Größten von ganz Ralios. Die Landwirtschaftliche Nutzung hat einen sehr hohen Grad auf dem gesamten Gebiet von Kustria. Somit ist es verständlich, dass Kustria nur noch über wenige Wälder verfügt und dass das in Kustria zum Schiffs- , und Häuserbau benötigte Holz zumeist aus anderen Staaten von Ralios bezogen wird. Die wichtigsten Handelspartner von Kustria in Ralios sind Tiskos, Tarasdal und Sentanos.
Kustria liegt an den Grenzen der Länder Tinaros im Osten, Holut im Norden. Tarasdal im Süden und Uron im Westen. Lediglich mit Tarasdal herrscht eine zumeist freundschaftliche Beziehung. Die anderen Nachbarn von Kustria bezeichnen das Königreich zumeist als ihnen gegenüber feindlich gesonnen. Aufgrund dessen ist es verständlich, dass die Könige von Kustria ihre Grenzen besonders befestigt haben. Kustria verfügt über insgesamt dreizehn Burgen. Nach dem herrschenden feudalen Recht in Kustria sind die Grafen und Barone von Kustria gegenüber dem Königshaus dazu verpflichtet, für die Grenzbefestigungen und die Landesverteidigung Sorge zu tragen.
Im weiteren verfügt Kustria über insgesamt neun Abteien auf seinem Staatsgebiet. Hierbei handelt es sich ausschließlich um reine Abteien der Rokari. Lange Zeit war die Rokari - Kirche die erklärte Staatskirche von Kustria und hat auch heute noch eine äußerst wichtige politische Position inne. Diese Position wird durch die Person des Bischofs von Kustria vertreten. Die Kirche ist im weiteren auch einer der größten Landbesitzer in Kustria. Von der gesamten Staatsfläche kann die Kirche 400 qkm ihr eigen nennen. Auf dieses Land hat der König und seine Fürsten keinen oder nur einen sehr geringfügigen Einfluss. Außerdem ist in Kustria nahe der Hauptstadt am Safelstersee noch der Heilige Ritterorden der Rokari Kustrias ansässig. Der Kirche gehören aufgrund dessen auch zwei der dreizehn Burgen des Königreiches, welche sie ausschließlich mit ihren Anhängern besetzt. Der Ritterorden von Kustria verfügt über 500 Mann Infanterie, 200 Ritter und 20 Hochritter. Der Führer des Ordens ist Richard FitzOsbern.

Geschichte
Ulianus III. war einer der großen Könige von Seschnela, welcher der noch immer in Seschnela herrschenden Dynastie entstammte, die durch Bailifes den Hammer 1412 begründet wurde. Ulianus III. war es gelungen, die ihm untergebenen Grafen und Barone von Seschnela zur Einigkeit unter seinem Banner zu bewegen. Gemeinsam eroberten sie fast ganz Ralios und gründeten Kustria. Ulianus war auch derjenige (nach Bailifes dem Hammer), welcher den Glauben an die Heilige Kirche von Rokar nach Ralios brachte. Unter seiner Herrschaft erblühte Kustria zu einem der mächtigsten Reiche von Ralios. Sein Enkel, Vikard vom Turnier, versuchte ihm in seinen Idealen nachzueifern. Doch erkannte er nicht den wahren Grund für die Turniere von Kustria und verfiel nur dem Spaß am Kampf und dem Wettstreit, ohne die wahren hehren Ziele des 'Friedenbringenden Turniers' zu erkennen. Er wollte nur noch immer größere und kostspieligere Turniere veranstalten, weswegen er die Fürsten von Seschnela härter als bisher besteuern ließ. Dadurch kam es zum Aufstand gegen seine Herrschaft in seinem Mutterland. Er konzentrierte seine Truppen nun nur noch auf die internen Kämpfe in Seschnela. Dadurch begünstigt kam es zum Aufstand der unterworfenen Fürsten in Ralios. Viele Getreue des Königshauses sahen sich plötzlich abgetrennt von ihrer Heimat. Es musste etwas geschehen, um wenigstens Kustria vor dem Untergang zu bewahren. Der Mann der Stunde war Heuleuse de la Leplain, der Ahn des jetzigen Königs von Kustria - Gerad de Chevalier, denn er stellte sich an die Spitze der Getreuen Seschnelas und mit ihren außerordentlichen Fertigkeiten, welche die Ritter Kustria schon tausendmal im Turnier bewiesen hatten, gelang es Heuleuse de la Leplain jeden Angriff von außen abzuwehren. Trotzdem gab es zu Beginn der Gründerzeit Kustrias große Machtkämpfe um die Führung im Staate. Kustria hatte zu dieser Zeit noch den Status eines seschnelischen Herzogtums, welches allerdings von Seschnela getrennt war. Zu dieser Zeit war Heuleuse in erster Linie als Führer und Champion von Kustria um die Außenverteidigung Kustria bemüht und er schlug mit seinen Rittern die Feinde Kustria zurück. Durch die Aufstände und Machtkämpfe der Adligen Kustrias untereinander hatte insbesondere die Landbevölkerung zu leiden, denn es gab keinen rechtmäßigen Herzog der die Nachfolge des Königs von Seschnela hätte antreten können. Die Grafen Kustria stritten solange um die Herrschaft bis Heuleuse sich gegen sie wandte und die Macht an sich riß. Als einfacher Ritter hat er nur wenig Anspruch auf die Führung in Kustria, doch war er als Champion ungeschlagen und der beste Stratege im Staat. Er hatte Kustria vor dem Niedergang bewahrt und zwang nun die Grafen mit eiserner Hand ihm als Herrscher zu huldigen. Er sollte an des Königs statt regieren. Heuleuse war es auch, der die Grundsätze des Turniers von Kustria in der Charta des Rechtssystems von Kustria verankerte (siehe `Das Turnier von Kustria`).
Heuleuse de la Leplain ist der Begründer der Dynastie der Könige des Turniers, der Könige von Kustria. Er hat auch die vielen Rokari Klöster in Kustria gegründet und hat lange Zeit auf eine Wiedervereinigung mit Seschnela gehofft. Doch die Jahrzehnte des Wartens waren vergebens und in den nächsten Generationen der Königsdynastie hat sich vieles geändert. Sein Enkel, Fredel de la Leplain, ließ sich, da eine Wiedervereinigung mit Seschnela aussichtslos schien, selbst zum König von Kustria krönen. Seit dieser Zeit tragen die kustrischen Könige den Titel der de Chevalier. Lange Zeit haben die Könige von Kustria an dem angestammten Rokari Glauben festgehalten, doch der Großvater von Janus de Chevalier hat die Rokari Kirche als Staatskirche abberufen und ist zum Glauben der Kirche von Dangan konvertiert. Da diese Kirche die Toleranz gegenüber den niederen Gottheiten predigt, hat er öffentlich verkünden lassen, dass in Kustria von nun an Glaubensfreiheit herrschen möge, solange diese Religionen nicht den Gesetzen Malkions zuwider laufen.
Außenpolitisch hat Kustria stets eine neutrale Position unter den Staaten der Safelstersee-Region eingenommen. Kustria hat sich selten oder nie auf Bündnisse eingelassen, die in Ralios meist sowieso nicht sehr viel Wert besitzen, wie die Geschichte euch es auch immer wieder bewiesen hat. Die Könige von Kustria haben es eher bevorzugt, die Position des Fels in der Brandung einzunehmen, der unerschütterlich für Frieden und Gerechtigkeit einsteht.

Militär
Die Armee Kustrias gilt als eine der Besten im gesamten Westen Genertelas. Dies hat viele Gründe. Kustria ist seit Jahrhunderten von Feinden umgeben und hat immer wieder Angriffe seiner Feinde im Norden und Osten zurückzuschlagen. Insbesondere die wilden Reitertruppen Holuts setzen Kustria schon seit jeher zu, aber auch mit Tinaros hat Kustria langjährig im Krieg gelegen. Aufgrund der nur recht geringen Größe Kustria war Wachsamkeit und eine schlagkräftige Armee lebensnotwendig für den Bestand dieses Königreiches.
Diese besondere Schlagkraft hat Kustria stets durch die Ritter erhalten, die auf dem jährlichen Turnier von Kustria miteinander wetteiferten. Ein Gewinn auf dem Turnier brachte stets auch gleichzeitig ein höhere politische Position und viel Ruhm in ganz Ralios mit sich. Aus diesem Grunde haben sich unter dem Banner des Königs von Kustria vielfach die besten Ritter von Ralios und sogar Seschnela versammelt.
Diese Ritter des Königs werden die `Kustrischen Ritter' genannt. Hierbei handelt es sich um ein Kontingent von 400 Rittern und ihnen unterstehen 2.000 Mann Infanterie, die sich zumeist aus den Bauern des Turnierlehens rekrutieren. Die Grafen und Barone stellen ihrerseits nochmals insgesamt 400 Ritter und 6.000 Mann Infanterie. Insgesamt verfügt damit Kustria, mit den Ritter des Rokari-Ordens, über eine Armee von 100 Hochrittern, 1.000 Rittern und 8.500 Mann Infanterie.
Die leichte Infanterie von Kustria setzt sich zumeist nur aus Bogenschützen und Speerträgern der Bauernkaste zusammen, mit einem eher minderwertigem Ausbildungsstand als Soldaten. Das Hauptgewicht der Verteidigung liegt auf der schweren Kavallerie der Ritterkaste.
Im weiteren verfügt Kustria mit sechs Kriegsgaleeren noch über ein ausgezeichnete Präsenz auf dem Safelstersee. Diese Galeeren haben in erster Linie die Küste Kustria und die Handelsschiffe der kustrischen Händler zu schützen. Kustria hatte früher schon einmal versucht die Vorherrschaft über den See zu erringen, die Flotte Kustrias wurde allerdings bei der Seeschlacht von Horadat im Jahre 1578 vernichtend geschlagen. Seither hat kein König mehr den Versuch unternommen auf dem See mehr als nur Anwesenheit zu bekunden. Die Galeeren sind mit insgesamt 480 Mann besetzt.

Das Turnier von Kustria
Das Turnier von Kustria hat eine sehr lange Tradition in Ralios. So manch einer bezeichnet es als einen Anachronismus längst vergangener Zeiten, als sich der damalige König von Seschnela mit der Ausstattung gerade des Turniers von Kustria finanziell und politisch ruinierte, während Andere die hehren Ziele dieses Turniers hoch halten und es als eine der besten Traditionen von Ralios bezeichnen.
Die König von Kustria haben den Titel als Könige der Turniere inne, da deren Dynastie stets darauf achtete, dass bei den Kämpfen und Kriegen, die immer mal wieder zwischen den Herren des Adels in Ralios ausbrechen, keine Unbeteiligten, wie die Bauern und Handwerker des einfachen Volkes zu Schaden kommen. Es die Prämisse dieser Dynastie, dass diese Art von Kämpfen stets im Turnier ausgetragen werden sollten.
Dies ist der Fall seit Ulianus III. dem König von Seschnela, der das `Große Turnier' in Kustria institualisierte. Er erbaute die Burg von Kustria und die riesige Turnierarena, die in ganz Ralios und Seschnela nicht ihres Gleichen hat. Er begründete auch das noch heute gültige Lehensrecht, nachdem die Einkünfte aus diesem Lehen von dem König allein nur für einjährlich stattfindendes Turnier aufgewandt werden dürfen. Die Charta dieses Rechtssystem sagt aus, dass das Turnier von Kustria ein `Boden für die Lords und Ritter von Ralios sein möge, auf dem sie ihre Streitigkeiten in zivilisierter Manier entsprechend den Regeln des Rittertums austragen mögen, damit die hilflosen Bauern und das Land von unnötiger Furcht und Pein behütet werden mögen'.

Feudales Recht
In Kustria herrscht das normale rokaristische Feudalrecht, d.h. das es generell eine Kastenfestlegung auf die Bauernkaste, die der Adligen, der Priesterschaft und des Herrschers gibt. Dies wird durch das Dreieck (Triangel), als heiliges Zeichen der Rokari, symbolisiert. Aufgrund dieser seit ca. 200 Jahren herrschenden Regelung, ist es Kastenmitgliedern untersagt ihre Kaste zugunsten einer anderen Kaste zu wechseln. Insbesondere aufgrund der seit ca. 30 herrschenden Glaubensfreiheit hat diese Regelung zu Widerständen und Aufständen insbesondere unter den Bauern geführt, da ihnen viele andere Religionen (insbesondere die Henotheistischen Kirchen von Azilos und Otkorion) den freien Wechsel der Kaste aufgrund einer Bewährung gestatten. Dies erschütterte in den letzten Jahren die herrschenden Strukturen des Königreiches bis in Mark. Trotz alledem konnte sich König Gerad de Chevalier nicht dazu entschließen die Anordnung seines Vaters aufzuheben, da sich bereits einige mächtige Familien einem anderen Glauben angeschlossen haben.
Die Bauernkaste stellt ungefähr 80 der Gesamtbevölkerung von Kustria dar. Innerhalb der Bauernkaste sind allerdings auch die Händler und Handwerker zu finden, die etwa 15 % der Gesamtbevölkerung ausmachen. Diese Vertreter der Handwerkerschaft und der Händler sehen sich selbst im Rang gegenüber den Bauern als deutlich höherstehend an. Dies spiegelt sich auch durch die Machtbefugnisse der Handels- und Handwerkergilden in der Realität wider.
Die Priesterkaste stellt ca. 15% der Gesamtbevölkerung dar. Dazu gehören alle Mönche, Äbte, Nonnen, Dekane usw. Die Priesterkaste bevölkert in erster Linie die reichlich in Kustria vertretenden Abteien. Die restlichen 5% der Gesamtbevölkerung gehören zum höherstehenden Adelstand von Kustria. Hier gibt es vom einfachen Ritter bis hin zum König natürlich genaueste Abstufungen nach Rang und Funktion innerhalb des Königreiches.
Die Erbfolge des Adels ist solcherart geregelt, das niemals durch die weibliche Linie vererbt wird (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel) und nur der älteste Sohn Land, Lehen und Titel erbt. Die jüngeren Brüder gehen stets leer aus und sind, ganz davon abgesehen, das sie innerhalb des Clans noch eine sehr viel wichtigere Rolle einnehmen, nur als einfache Ritter zu bezeichnen.
Dem König von Kustria gehört das gesamte Land des Königreiches als sein persönliches Eigentum, welches er als Lehen an seine `loyalen' Anhänger vergeben kann. Hierbei sind die Grafschaften als erbliches Besitztum anzusehen, welche selbst der König nur sehr schwer aus dem Besitz der dort ansässigen Familie entfernen kann. Im Gegensatz dazu sind die Baronie zwar auch erblicher Besitz, welcher allerdings sehr viel stärker vom Wohlwollen des Königs abhängig sind als die Grafen des Königreiches. Die Baronie werden frei von dem König als Lehen vergeben und er kann sie nach Gutdünken dem Baron auch wieder entziehen, wenn dessen Loyalität ihm gegenüber in Frage gestellt ist.
Die Steuereinnahmen, der sogenannte `Zehnte' den jeder Händler, Handwerker und Bauer aus der Bauernkaste zu leisten hat, geht zu 50% an den König und der Rest an die Grafen und Barone. Mit diesen Steuereinnahmen muss der Hochadel seine Burgen instand halten und die Grenzen sichern. Alle anderen Aufgaben obliegen der Finanzierung durch die Krone.
Allerdings hat der König keinen Einfluss auf die Ländereien, welche sich im Besitz der Kirche befinden. Obgleich das Land sein Eigentum ist, darf er es nach geltendem Rechte der Kirche weder entziehen noch Steuereinnahmen aus diesen Ländereien fordern, diese gehen allein der Kirche zu.

Religionen von Kustria
Bis vor ungefähr 30 Jahren war die Rokari-Kirche als Erbe Seschnelas innerhalb von Kustria die alles beherrschende geistliche Macht. Jeder andere Glaube wurde als ketzerisch angesehen und durch die Ordensritter der Kirche streng verfolgt. Allerdings gab und gibt es in Kustria keine Inquisition der Rokari-Kirche, wie diese in Seschnela in besonderer Ausprägung existent ist.
Zumeist ist es wohl der Kirche der Rokari zuzuschreiben, das Kustria trotz aller internen Querelen nach außen stets ein äußerst starke Position innerhalb von Ralios eingenommen hat, da in Kustria die Gesellschaftsstrukturen, wie sie der Glauben der Rokari-Kirche vorschreibt, lange Zeit in der gleichen Form anzutreffen waren, wie sie heutzutage nur noch im Königreich Seschnela anzutreffen sind. Daher ist es nicht verwunderlich, das es während der ersten achtzig Jahre der Existenz des Königreich Kustria für die herrschenden Familien als besonders schicklich und fromm galt der Rokari Kirche Schenkungen und Lehensabtretungen zu übereignen. Dadurch wurde die Kirche neben dem König zum größten Landbesitzer. Da der König nach geltendem Recht keinen Einfluss auf diese Kirchenländereien hat, ist der Einfluss der Rokari Kirche bzw. des herrschenden Bischofs von Kustria auf die weltliche Politik beträchtlich.
Insgesamt gibt es im Königreich Kustria neun Abteien und zwei Ordensburgen der kustrischen Rokari-Kirche. Diese Ländereien werden ausschließlich von der Priesterkaste, den Ordensrittern und deren Leibeigenen bewohnt.
Den Mönchen und Priestern dieser Abteien ist es gestattet Töchter aus der Priesterkaste zu ehelichen, welches allerdings eher selten geschieht, da es kaum Töchter aus solchen Verbindungen gibt. Zumeist zeugen die Priester und Mönche ihre Nachkommenschaft mit Töchtern aus der Bauernkaste, welche sie zwar schwängern, aber nicht ehelichen dürfen. Söhne aus diesen Verbindungen werden automatisch in die Priesterkaste aufgenommen, während die Töchter in der Bauernkaste verbleiben und den Status einer Leibeigenen haben. Somit ist es nicht verwunderlich, das die Leibeigenschaft auf den kirchlichen Ländereien fast zu 80% aus Frauen besteht. Seit geraumer Zeit existiert in Kustria neben der Anhängerschaft der Rokari-Kirche ein zunehmender Anteil von Anhängern der linealistischen Hrestoli-Kirche, welche von Ritter und Priestern aus Alt-Seschnela ins Land gebracht wurde. Die linealistischen Hrestoli legen größten Wert auf besonders ritterliches Verhalten, was vielfach bei den Adligen Kustrias auf große Zustimmung stößt, da sie darin viele Ideale der Turniere von Kustria zu erkennen glauben, die in den letzten Jahrzehnten viel an Bedeutung eingebüßt haben. Da die Hrestoli-Kirche ebenfalls eine Bewegung unter den Kasten verbietet und jedem in der Gesellschaft seinen Platz zuweist, stößt diese Kirche bei der Rokari-Kirche auf nur geringe Ablehnung. Die Rokari-Kirche sieht bei der zunehmenden Anhängerschaft lediglich einen eventuell aufkommenden politischen Machtverlust auf sich zukommen, welchen sie versucht mit allen Mitteln zu verhindern.
Ähnliches gilt auch für die wenigen Anhänger der Kirche von Nomia in Kustria. Da diese Kirche fast nur noch in Grafschaft Holut vertreten ist, welche sich im ständigen Kriegszustand mit Kustria befindet und außerdem eine Isolationspolitik gegenüber allen anderen Staaten von Ralios unterhält, ist der Einfluss auf die Politik in Kustria äußerst gering. Insbesondere weil die Kirche von Nomia schon seit jeher als der Glauben des Feindes angesehen wird.
Sehr viel kritischer werden die verschiedenen Arkat-Kultgemeinschaften, die Kirche der Boristi und die verschiedenen Abarten der stygischen bzw. Henotheistischen Kirchen von Ralios angesehen. Gerade Letztere haben in den vergangenen Jahren die Bauern von Kustria zu Aufständen aufgewiegelt, da sie ihnen freie Kastenbewegung und dementsprechend freie Entfaltung des persönlichen Willens versprachen. Da dies jeglichen bisher herrschenden Strukturen in Frage stellt und die Machtposition des Adels in Kustria gefährdet werden die Missionare dieser Kirche nur mit schweren Auflagen in Kustria geduldet. Es ist ihnen bei Todesstrafe verboten, die Bauern von Kustria gegen die Herren aufzuwiegeln. Für die Ordensritter der Rokari-Kirche haben diese Missionare gegen dieses Verbot schon verstoßen, wenn sie nur den Mund aufmachen.

Wichtige Familien
Die Familie der De la Leplain Diese Familie stellt seit Anbeginn der Gründung Kustria als selbstständiger und von Seschnela getrennter Staat den Herrscher der Dynastie der de Chevalier. Seit der Gründung Kustrias im Jahre 1512 hat die Familie bis zum Jahre 1619 sechs Könige von Kustria gestellt. Herausragend unter ihnen war Heuleuse de la Leplain der erste Herrscher von Kustria und Staatsgründer; Fredel de Chevalier, der erste Herrscher der Dynastie, welcher sich zum König krönen ließ und aus dem Herzogtum Kustria das Königreich Kustria machte und Susdial de Chevalier der Fromme, welcher die Glaubensfreiheit für Kustria erklärte und damit die Rokari-Kirche als Staatskirche ablöste. Sein Sohn Gerad de Chevalier regiert momentan über Kustria als König. Auf ihn wurden schon mehrfach Mordanschläge verübt, welche er allerdings, teilweise wie durch ein Wunder, überlebt hat. Allerdings sind bei diesen Mordanschlägen bereits zwei seiner Söhne zu Tode gekommen, so dass jetzt als sein Hoffen und Streben seinem jüngsten Sohn Janus gilt, der ihm dereinst auf den Thron folgen soll. Zeitweise hatte man schon sehr gebangt, das es keinen Thronfolger mehr geben werde, da Gerads Frau kurz nach dem Tod seines ersten Sohnes starb, aber Gerad heiratete ' ein zweites mal und zeugte zwei weitere Söhne.
Die Familie der De la Leplain sind zum Teil Anhänger der Kirche der Rokari und zum Teil Anhänger der Kirche von Dangan. Letzteres wird ihnen von vielen Familien als unangebracht und ketzerisch vorgeworfen.

Die Familie der Tirel
Die Familie der Tirel ist zwar die jüngste der alteingesessenen Familien von Kustria, aber jedoch auch die Mächtigste. Die Familie Tirel beherrscht die beiden Baronien von Doix und Beulan. Der Großvater des jetzigen Barons Walther Tirel war einst Champion von Kustria, der sich durch seinen Mut und seine Kampfkraft im Turnier die Würde des Titels des Barons von Doix erwarb, nachdem der alte Baron, Orinier de Doix, ohne Erben starb. Man hat lange Zeit nach der Erhebung zum Baron Griedeuse Tirel stets vorgeworfen er habe sich die Baronie erschlichen und den einzigen Sohn des alten Baron im Turnier mit voller Absicht getötet. Dies wurde doch nie bewiesen. Die Familie der Remieges erhebt seit dieser Zeit den Anspruch auf die Baronie Doix, da die einzige Tochter des Orinier de Doix mit dem Baron Tridel von Remieges verehelicht war. Die Fortführung des Titels durch die weibliche Linie hat der damalige König, Moinande de Chevalier, allerdings abgelehnt. Besonderen Dank erhielt die Familie der Tirel durch den jetzigen König Gerad de Chevalier, da Walther Tirel einen Mordanschlag durch Baron Robert de Beulan verhindern konnte. Er hat auch versucht den Übeltäter dingfest zu machen, doch hatte dieser auf dem Wege zur Hauptstadt einen Fluchtversuch unternommen, bei welchem er sein Leben ließ. Die gesamte Familie der de Beulan wurde in Sippenhaft genommen und verschwand auf Nimmerwiedersehen in den Kerkern der Burg des Königs. Lediglich der noch fünfjährigen Sohn, Alandis de Beulan, und seine ältere Schwester entgingen diesem Schicksal. Wobei es lange Zeit unklar war, wohin der Sohn der de Beulan verschwunden war. Die Tochter des Barons war im zarten Alter von 12 Jahren bereits mit dem Enkel des damaligen Grafen de Kuret verheiratet und stand unter deren Schutz. Zum Dank für diese Errettung verlieh Gerad de Chevalier Walther Tiiel die Würde des Barons von Beulan und gab ihm seine Tochter zur Frau. Mit ihr zeugte Walther Tirel über zehn Kinder. Die fünf Söhne des Walther Tirel (Sir Robert, Sir Grimard, Sir Hierleuse, Sir Orinador und Sir Pietie) haben sich als Ritter in Kustria bereits einen Namen gemacht und am Hofe des Königs ist der Tirel-Clan berühmt berüchtigt.
Die Familie der Tirel sind reine Anhänger der Kirche der Rokari. Auf ihrem Land befindet sich drei der größten Abteien des Landes, welche Walther Tirel, obgleich er nicht gerade als sehr fromm gilt, vieles seines Lehens an die Kirche abgetreten hat.

Die Familie der De Remieges
Die Familie der Remieges ist ebenfalls eine noch recht junge Adelsfamilie in Kustria. Sie erwarb ihren Titel durch Sir Osbert, den Urgroßvater des jetzigen Grafen Robert de Remieges. Sir Osbert hat sich als Führer der Kustrischen Ritter bei der Schlacht von Ratak ausgezeichnet als der die Armee von Tinaros besiegte. Er erhielt daraufhin das Mündel des Königs, die Erbin des Barons de Remieges, Julie de Remieges, zur Frau. Die Familie der De Remieges haben seit dieser Zeit eine besondere Beziehung zur Familie der De Beulan unterhalten, da der Baron de Beulan, als damaliger Champion von Kustria, ein Kampfgefährte von Sir Osbert de Remieges war.
Besondere Streitigkeiten herrschen zwischen der Familie der De Remieges und der Tirel-Familie, da die De Remieges Anspruch auf die Baronie Doix erheben. Als letzte Erbin der Familie der De Doix hätte nach ihrer Ansicht Claire de Remieges die Baronie erhalten müssen, welche allerdings vom König an die Tirel-Familie verliehen wurde. Robert de Remieges erhebt bis heute Anspruch auf diese Baronie.
Das Haus der Remieges sind in ihrer Religiosität zerstritten. Baron Robert ist ein Anhänger der Kirche Rokars, während seine Kinder sich zumeist der linealistischen Kirche der Hrestoli zugewandt haben. Die Baronin ist Anhängerin der Kirche Dangans.

Die Familie der De Clare
Richard de Clare ist der Graf von Foret und das Familienoberhaupt der Familie De Clare. Er ist einer der reichsten Grafen von Kustria (nur noch ausgestochen von Robert de Glanville) und verfügt über das größte Lehen im Königreich. Die Grafen von Foret waren schon seit der Gründung von Kustria mit der Familie der De la Leplain um die Führung Kustrias im Streit. Der Gründervater der Hauses, Jerome de Clare, hatte zur Zeit der Machtergreifung durch Heuleuse de la Leplain den höchsten adligen Rang inne und wäre aufgrund dieser Abstammung derjenige gewesen, welcher den höchsten Anspruch auf die Beherrschung von Kustria gehabt hätte.
Die Familie der De Clare sind äußerst strenge und teilweise sehr moralisierende Anhänger der Kirche Rokars. Sie haben schon mehrfach nach der Einführung der Glaubensfreiheit durch Susdial de Chevalier der Fromme gefordert, die Inquisition der Rokari-Kirche nach Kustria zu holen. Sie sind Unterstutzer des Bischofs von Kustria, Thurstan.

Die Familie der De Plois
Die Familie der De Plois regiert die Grafschaft Kuret im Westen von Kustria. In dieser Grafschaft befindet sich auch das Turnierlehen des Königs von Kustria, dessen Einkünfte alleinig dem Turnier zufließen. Der momentane Graf von Plois ist Pascal de Plois. Er beherrscht diese Grafschaft schon seit fast 30 Jahren und ist einer der loyalsten Anhänger des Königshauses der De Chevalier. Sein Sohn und Erbe ist Osbert de Plois welcher mit der Tochter des in Ungnade gefallenen Hauses der De Beulan verheiratet ist. Pascal de Plois sieht dies als den größten Makel seit dem Bestehen seines Hauses an, doch sein Sohn hat sich stets geweigert seine Frau zu verstoßen; obgleich er sich vor 20 Jahren selbst der Festnahme seiner Schwiegertochter widersetzt hatte.
Eine weitere berühmte Persönlichkeit dieses Hauses ist Morwyn de Plois, der jüngere Bruder von Pascal, welcher seit vier Jahren den Titel des Champions von Kustria innehat.
Die meisten Mitglieder der Familie der De Plois sind seit kurzem zu der linealistischen Kirche Hrestols konvertiert. Sie haben bereits erklärt, das sie das erste Hrestoli Kloster in Kustria stiften wollen.

Die Familie der De Glanville
Der alteingesessenen Familie der De Glanville hat man schon seit jeher den Vorwurf gemacht, das es sich bei den ihnen nur um eine Anhäufung von Krämerseelen handelt. Tatsächlich besitzt die Familie der De Glanville mehrere Handelskontore in der Stadt und ist auch im Geldverleih und Wechselgeschäft verwickelt. Die gesamte Seestreitmacht wird aus diesem Grunde auch nur von dieser Familie gestellt. Sie verfügen im weiteren noch über 24 Handelsschiffe, welche auf dem gesamten Safelstersee Handel treiben. Diese Familie hat aufgrund ihrer internationalen Handelsbeziehungen auch die meisten Kontakte zu den anderen Staaten der Safelster-Region.
Das Königshaus ist gegenüber dieser Familie schon seit Generationen durch die Ausstattung des jährlichen Turniers verschuldet, so ist es nicht verwunderlich, das Graf Robert, der Führer des Hauses der De Glanville, am Hofe die Position des Kämmerers einnimmt.
Vor nicht allzu langer Zeit hat man der Familie der De Glanville die Anstiftung zur Ermordung oder die Beteiligung an dem Mordanschlag durch den Baron de Beulan vorgeworfen, da Graf Robert der Schwager des Barons war. Allerdings haben sich all diese Anschuldigungen bis heute nicht beweisen lassen. Der Sohn des Grafen Turan de Glanville hat vor kurzem am Hofe den Vorwurf gegen den König erhoben, das er sich durch solcherlei Vorwürfe seiner Gläubiger habe entledigen wollen.
Die Familie der De Glanville kann man am besten als weltoffene Rokari Anhänger umschreiben. Allerdings gab es noch nie einen de Glanville, welcher als besonders fromm gegolten hätte.


Dieser Artikel wurde entnommen aus „SchattenKlinge“ Nr. 16 und ist © Copyright 1997, 2002 by Ingo Tschinke


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